Dies ist die wahre Geschichte
von Gustaf Elwitsch  
  der frech-fröhlichen Flug-Elwedritsche, 
die urplötzlich sesshaft wurde
und nun wie angepappt auf dem Dach
der Familie Mitlöhner
hockt und ihr Unwesen treibt.


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Es war einmal ein wunderschönes altes Häuschen
in Maximiliansau bei Wörth am Rhein.
Mühevoll hatten es das Lehrerehepaar Petra und Ehrfried Mitlöhner
in jahrelanger Arbeit restauriert und zu neuem Leben erweckt.

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So stand es nun da, mit seinen leuchtenden ockerfarbenen Wänden,
seinen bunt gemischten alten Biberschwanzziegeln
und seinen hölzernen und doch so leicht beweglichen Fensterläden.

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Doch irgendetwas fehlte den Besitzern noch zu ihrem Glück.

Es war eine gewisse Sehnsucht nach etwas Unbekanntem,
dem Tüpfelchen auf dem berühmten *i* das der vielen Mühe
der Restauration einen krönenden Abschluss bescheren sollte.
Dann, eines Nachts, hatte der Hausherr die Vision
eines fremdartigen Wesens, das sich auf ihrem
Hausgiebel frech niedergelassen hatte.
Schnell tippte er seine Eingebung in den Computer:

Gustaf - Elwitsch - eine Metamorphose

Seine Eltern, beides Standard-Elwetritschen, hatten ihn einfach Gustaf genannt und sich intensiv um sein Wachstum und sein Wohlbefinden gekümmert. Dann kam jener besondere Tag, an dem sich so vieles änderte.
An und für sich waren die Elwetritschen im Laufe ihrer Entwicklung flugunfähig geworden und es wurde in Wissenschaftskreisen heftig diskutiert, ob sie durch die vielen Viertel Wein zu bequem geworden waren oder nur keine Notwendigkeit mehr gegeben war, die Lüfte zu erforschen.
Gustaf saß im Garten, spürte die warmen Strahlen der herbstlichen Sonne, schüttelte seine Federn, bewegte seine Flügel und erfuhr zum ersten Mal den Auftrieb: Er hob ab und landete etwas rau einige Meter weiter im Gras.
Er konnte fliegen.
Seine Eltern standen fassungslos im Garten am Apfelbaum und fanden vor lauter Staunen keine Worte. In den nächsten Tagen bemühte sich Gustaf um den sichereren Start und - was noch wichtiger war, zumal die Fluggeschwindigkeit zunahm - um schmerzfreiere Landungen. Gustafs Vater hatte sich bei den anderen rumwuselnden Vätern umgehört und hatte von einer ganz speziellen Flugschule für Elwetritschen gehört, hatte die Adresse erfahren und sich mit dieser Schule in Verbindung gesetzt. Gustaf bestand die Aufnahmeprüfung, auch wenn seine Vorführrunde in einem Weinberg zwischen den Reben etwas schmerzhaft endete.
Im Verlauf der Ausbildung flog er immer sicherer, wurde kühner und war bald der Anführer einer Gruppe von Flugschülern. Nie vergaß er bei seinen weiteren Flügen den MP3-Player, der ihm, wenn er die Kopfhörer auf seinen Hasenohren trug, eine unverwechselbare Aura gab. Seine Mitflieger schmunzelten über seinen bevorzugten Musikgeschmack: Rock'n Roll und besonders den von Elvis.
Damit hatte er seinen Namen weg, ab dem zweiten Jahr war daraus Gustaf Elwitsch geworden und sehr schnell geriet sein ursprünglicher Name in Vergessenheit.
Elwitsch startete, flog und landete für Elwetritschen in beeindruckender Weise. Seine Flügelfedern formten beim Landeanflug kleine Klappen, was seine Landegeschwindigkeit soweit bremste, dass er auf harten Pisten und sogar auf Dächern landen konnte. Blessuren wurden seltener und Elwitsch wurde auf Grund seiner Fähigkeiten zum „Flugausbilder für grüne Flugtritschen“ ernannt.
Bei manchen Flügen spürte er, besonders wenn er über die Behausungen von Menschen flog, so ein seltsames Kribbeln etwas oberhalb seines Bauchnabels, der die Form einer Inbussschraube hatte. Eine Zeit lang verschwieg er dieses Kribbeln, aber da es immer wieder auftauchte, wendete er sich an den „Oberelwetritsch für Fluganalyse und tieferes Erkennen“, und dieser alte, weise und scheinbar etwas trottelige Elwetritsch erkannte auf Grund seiner ewig-langen Erfahrung sofort das zweite Talent von Elwitsch: Sein Unterbauch beinhaltete den „Elwetritschen-Versteher-Sensor“.
Als Elwitsch das zum ersten Mal hörte, hielt er den Oberelwetritsch für gelinde gesagt vollständig verblödet und esoterisch belastet, nur - seine eigene Beobachtung des Bauches gab dem alten Oberelwetritsch Recht.
Elwitsch erkannte beim Überfliegen jene Menschen, die Elwetritschen mochten, sich auf deren Philosophie einließen und Kontakt suchten. Elwitsch wurde zum „Elwetritschen-Versteher-Scanner“ befördert.
Eine Aufgabe, an der er in kleinen Schritten wuchs. Häufig war er am Anfang fürchterlich enttäuscht, wenn er nach einem anstrengenden Langstreckenflug keinen einzigen „Elwetritschen-Versteher“ gescannt und in sein Bordbuch eintragen hatte, doch in dem Maße, in dem er mit sich selber milder wurde, seine Flüge genoss, die Luftströmungen und die unter ihm liegende Natur verstand, wurde sein Bauchsensor immer sensibler. Im Herbst 2006 erhielt er die Order einen Scanflug in den selten beflogenen Süden des Elwetritschen-Landes zu unternehmen. Seine Scangrenze war eine Wasserader im Osten, denn jenseits dieser Wasserader gab es keine Elwetritschen-Versteher.
Elwitsch startete durch, er hatte jede Menge grüne Entengrütze geschlabbert, damit er genug Energie für die Langstrecke an Bord hatte, flog über ausgedehnte Waldgebiete im Süden, in denen herrliche sonnenbeschienene Landeplätze und noch bessere Nistplätze zum Verweilen einluden. Aber Elwitsch flog innerlich getrieben weiter. Kurz vor der am Horizont auftauchenden Wasserader drehte er in eine große Scanrunde, überflog mehrfach - Warum eigentlich? - den südlichsten Zipfel seines Flugplans und verspürte plötzlich ein warmes angenehmes und sehr intensives Kribbeln seines Sensors.
Unter ihm lag ein kleines Haus mit Nebengebäude: extreme Signalstärke im Sensor, von Westen ein gewagter Landeanflug, leichte Böen, ein geschecktes Dach aus Bieberschwänzen, Firstziegel mit Vorsprüngen ...
Schrapp, Schrapp, Schrapp über den ganzen First, Heckleitwerk auf Vollbremsung und dann einen neugierigen Blick auf die Straße ...
Da kamen die zwei „Elwetritschen-Versteher“ gerade aus der Menschenschule nach Hause ... Hier war er richtig!




...... und fast gleichzeitig brachte Ehrfried Mitlöhner,
von Hause aus Physiker, eine erste Zeichnung zu Papier:
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Die Idee einer "auf-dem-Dach-hock-Elwedritsche" ließ nun die beiden "Lehrkörper" nicht mehr los. Aber darauf zu warten, dass irgendwann einmal eine echte Flug-Elwedritsche auf ihrem Dach landen - und vor allem auch sitzen bleiben würde - das war den beiden nun doch zu utopisch. Selbst in der elwedritschengeschwängerten Pfalz gleicht dies einem 6er im Lotto. Also machten sie sich auf zu uns in die Elwedritschen-Werkstatt, um sich solch ein "Traum-Viech" backen zu lassen. Nach längeren Beratungen war dann klar, der "Gustaf Elwitsch" musste Wirklichkeit werden.

Ich begab mich also, mit Zeichnungen und etlichen Klumpen weichen Tones bewaffnet in Klausur
... und so fing dann alles an:
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Ich fügte nach und nach Tonballen an Tonballen und nahm
alles wieder weg, was nicht nach Gustaf aussah.
Dann musste ich den armen Kerl zerschneiden und vollkommen aushöhlen -
er sollte schließlich auch ein "Leerkörper" sein !
Nach der Endmontage sah er dann so aus:
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Dann folgte eine lange Trockenperiode und der erste Brand.
Er war gar nicht begeistert, als er so allein im Brennofen saß und wimmerte:
"Holt mich hier raus - ich bin ein STAR"

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Beim anschließenden Glasieren stellte ich zum erstem Mal fest,
wie kitzlig solche Jung-Elwedritschen doch eigentlich sind -
der Gustaf hat sich schier totgelacht:
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Irgendwann kam der große Moment: Gustaf Elwitsch war fix und fertig mit der Welt
und wurde von seinen Adoptiveltern, 2 bekennenden "Gustafianern", abgeholt -
oder besser gesagt, sanft nach Hause geleitet.
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In seinem neuen Heim angekommen, musste er vorerst auf einem Baumstumpf
Platz nehmen, was ihm garnicht gefiel. Aber es waren zuerst umfangreiche
Vorbereitungen zu treffen, ehe der Gustaf seinen endgültigen Landeplatz ansteuern konnte.
Den Rest der Geschichte erzählt er uns nun selber -
niedergeschrieben von Fam. Mitlöhner, da es beim Gustaf noch etwas mit der Grammatik hapert:

Liebe Mama, lieber Papa,
abenteuerlich ist - gelinde gesagt - eine schamlose Untertreibung dessen, was ich alles erfahren musste, konnte, durfte.
Nachdem mich diese neuen „Pflegeeltern“, jene die öfters in meiner Werkstattwiege herumschnupperten und zu denen ich noch komme, bei Euch in absolut hässliche Kunststoffwürste erbarmungslos eingewickelt hatten und dann auch noch meine hochsensiblen Flugaugen abdeckten, war ich ganz schön sauer und nur noch auf meinen Bauchsensor angewiesen. Dieser sagte zwar: „Die mögen dich“, nur glauben konnte ich es in diesem Moment überhaupt nicht. Mitsamt der unwürdigen Bananenkiste - ich bin weder Star noch Banane - schoben sie mich in eine mehr als 5m lange Blechpackung, die sogar beweglich war. Die Erschütterungen waren moderat, der Antrieb brummelte gemütlich und nach einer dreiviertel Stunde kam das Gefährt wieder zum Stehen.
Ich werde dieses dämliche, aber sanfte Grinsen der beiden beim Auspacken einfach nicht los. Endlich waren diese Luftwürste von meinen Augen entfernt und ich erblickte einen großen Raum mit Holzparkett, einem soliden Deckenbalken und einer mittigen, richtigen Eisensäule - sie nannten es Wohnzimmer.
Ich landete samt meinem mir angestammten Ziegel auf einem großen schwarzen Tisch, mein neugieriger Kopf ragte über dessen Rand. „Endlich Ruhe!“, meinte ich, doch weit gefehlt. Immer wieder kam einer der beiden, grinste, strich mir über Ohren, Schnabel, Flügel und Steuerruder, mein erster Eindruck bestätigte sich: Die schienen mich mehr als nur zu mögen.
Einfach angenehm der Raum: Ab und zu kam ein schwarz-weißer Kater vorbei, der mich mit hocherhobenem Schwanz vollständig ignorierte, die Lautäußerungen des grauen Papageis in der nahen Küche waren, besonders wenn die beiden außerhäusig waren, so schrill, dass meine Hasenohren klirrten. Die nächsten Tage und ich dösten vor sich hin und nichts geschah. Ich hatte mich richtig prächtig eingerichtet, musste hier weder vor mich hinschrumpfen noch in irgendeiner Höllenglut schmoren, insofern die "totale Wellnessdröhnung". Das war Leben per se, dachte ich ...
Dann kam Donnerstag, der 15.03.2007, ich wollte einfach weiter dösen, ab und zu in seiner Abwesenheit am Bordeaux des Papa II nippen, sehen, fühlen ... - nur dann?
Sanft wurde ich von meinem Stammplatz, dem Ziegel, entfernt, unter den Arm von Papa II geklemmt und in einen Garten auf einen Holzstamm verfrachtet; Sonne pur, meine Federn fingen fast an zu glühen, ungewohnte frische Luft. Papa II kam mit einem schwarzen Kasten, der dauernd Klickgeräusche von sich gab.
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Dann war erst mal wieder Ruhe. Der Garten roch gut, erdig feucht, um mich herum hörte ich das Knacken der neuen Knospen - super! Das Wohnzimmer war gut - hier war es besser.
Was in dem kleinen Innenhof so vor sich ging, verstand ich nicht, habe so etwas noch nie gesehen. Papa II und offensichtlich ein guter Freund schleppten große Stangen und flache Böden aus Metall heran, setzten diese zusammen, fluchten wie die Raben am Nachmittag und bauten eine drahtige, luftige Riesenkiste ohne Wände, die sie Gerüst nannten, draußen dann immerhin neun Meter hoch. Das Ding sah äußerst fragil aus, war sogar fahrbar und wurde aus dem Hof gerollt.
Ich verstand Bahnhof, alles andere wäre übertrieben gewesen. Alle Beteiligten waren vor dem Hoftor, ich sah nichts, hörte irgendwelche Bohr- und Drehgeräusche, Schrauben quietschten.
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"Ooh, ooh!", Papa II kam durch das Hoftor, grinste schon wieder dämlich, nahm mich unter den Arm - nicht unangenehm - und stieg die Treppe zum Dachgeschoss hoch, reichte mich aus einem kleinen, gerade passenden Fenster - er merkte nicht, wie ich die Flügel leicht anzog und den Schwanz beugte - der Freund nahm mich draußen ab und ich saß in acht Meter Höhe auf einem umgedrehten Sprudelkasten mit "meiner Ziegel" direkt vor dem Giebel mit demselben Firstziegel, auf dem ich geboren wurde und noch immer hockte.
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Alles war oben, alles war unten, alles war durcheinander. Kribbeln im Bauchsensor: Das waren Tritschenkenner ...
Papa II nahm mich erneut hoch und setzte mich - welch ein An- und Ausblick - auf den festen Firstziegel auf. Lauter Dächer, eine Straße, eine Kirche gegenüber und direkt im Fokus von oben das Gartentor, das mir zuvor den Ausblick versperrt hatte.
Leichter Wind, gute Luft ... ich habe mich fürchterlich zusammengenommen, um nicht eine Ehrenrunde zu drehen. Unten auf der Straße kam eine Nachbarin vorbei, ein Blick nach oben, ein Quietschen und dann ein Laut, der so ähnlich klang wie: „Oh neeeee!“.
Was das bedeutet, muss ich noch lernen, denn so reden mich inzwischen viele an.
Ich wurde wieder auf meine Kasten-Ziegelkombination gesetzt, bohren durch zwei Ziegellagen scheußlich!, nochmal Sitzprobe auf dem First, wieder Kasten-Ziegel; dann quetschte Papa II eine ekelige Masse aus einer Presse auf den First, schaute mir tief und lange in die Augen und setzte mich endgültig auf.
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Zuerst etwas klebrig, unschön, dann aber formstabil und besser als jede Brennstütze: Zwei Schrauben so durch meine Füße gedrillt, dass ich sie dennoch problemlos spreizen und bewegen konnte. Papa II und der Freund fingen an die gesamte Stellage wieder abzutakeln, zwei Stunden später war ich endlich zum erstem Mal ganz allein auf dem Dach und war restlos glücklich.
Mama II stand während der ganzen Prozedur unten auf der Straße und gab mit dem schwarzen Kasten Klickgeräusche am laufenden Meter von sich. Alle anderen, die vorbeikamen, sogar der Parkplatzpolizist, den Papa II nicht leiden kann, wenn er im Dienst ist, - ansonsten ein lieber Mann -, kam vorbei, blickten nach oben, erfassten mich und grinsten genau so dämlich wie meine Adoptiveltern - aber vielleicht ist das ja nur ein inneres Lächeln des Verstehens. Muss ich noch drüber nachdenken.
Was mein Geheimnis bleiben wird, habe ich erst in den nächsten Nächten erfahren und verstanden. Wenn ich die Füße spreize, dann macht es Plopp und ich bin frei. Jetzt werde ich Nachtflüge üben und immer weit vor Sonnenaufgang dort sitzen, wo ich hin gehöre.
PS: Ich habe so das dumme Gefühl, dass Pappa II es weiß und auch so wollte ...
Euer Gustaf Elwitsch.



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Das war also meine Geschichte.
Besuchen Sie mich doch mal, ich wohne in der
Eisenbahnstraße 102 in 76744 Maximiliansau,
direkt an der Kirche !!!
Also dann TSCHÜSS - Euer Gustaf !!!

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Da kann man doch nur sagen: Dritsche gut - Alles gut
Vielen Dank für Ihre Geduld beim Lesen -
Ihr Keramikatelier Walter Rupp
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